Dojokun

Dojo und Dojokun

von


Ulrich Schlee

6. Dan Yuishinkan Goju- Ryu
 

Erläuterungen zum Begriff Dojo und Dojokun  allgemein:
Dojo bedeutet Halle des Übens, bezeichnet also den Ort, die Halle, an/in dem Kampfkünste geübt werden.  Mit dem Begriff des Dojo ist aber mehr gemeint als nur die Übungshalle, der Begriff umfaßt auch die Gemeinschaft der Übenden. Bei längerer Mitgliedschaft in einem Dojo entsteht ein soziales Beziehungsgeflecht zwischen dem Lehrer und den Schülern.
Der Lehrer wird auch als Sensei bezeichnet. Das Wort bedeutet soviel wie „jemand, der den Weg schon ein Stück gegangen ist“. Im intensiven Bemühen, dem Weg der leeren Hand zu folgen, sollen sowohl Lehrer als auch die Schüler alle Anstrengungen unternehmen. Es ist also ein wechselseitiger Prozeß des Gebens und Nehmens. Die Beziehungen innerhalb und außerhalb des Dojos sollen von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Die Mitgliedschaft in einem Dojo setzt die Anerkennung des Dojokun = Dojo- Regeln/ Grundsätze des Dojo voraus.


Das richtige Benehmen in unserem Dojo:
Wir bemühen uns, das Yuishinkan Goju- Ryu in angemessener Art und Weise zu trainieren, wie ich es von Kisaki Sensei und Nöpel Sensei gelernt habe.Für seine Erläuterungen bin ich ebenso Lutz Kleemann Sensei dankbar.

Hinweis :
Im folgenden sind japanische Wörter in der Lautschrift niedergeschrieben. Dabei sollen z= s und s= ß ausgesprochen werden. In Karate- Büchern findet man häufig das Kommando zum Verbeugen als „ Rei“ aufgeführt. Richtig soll es „lei“ ausgesprochen werden. Mit einem „r“ am Anfang würde man Verärgerung und Zorn ausdrücken.

Angrüßen:
Zu Beginn des Trainings wird die Dojo- Fahne aufgehängt. Auf ihr findet sich das Yuishinkan- Symbol ( stilisierter Drache ) auf einer nachempfundenen japanischen Flagge mit unserem Dojo- Namen. Indem wir uns zur Fahne hin verbeugen, erkennen wir die Grundsätze des Goju- Ryu- Karate- Do Yuishinkan an. Wir versprechen, uns entsprechend diesen Grundsätzen zu verhalten. Dies wird zu Beginn und zum Ende eines jeden Trainings mit der Verbeugung im Seiza deutlich,  bei Partnerübungen mit wechselnden Partnern verbeugt man sich vor Beginn und bei Beendigung der Übung.
Lehrer ( sensei ) :„seiritsu“= setzt euch in gerader Reihe im Seiza hin.
Beim seiza handelt es sich um einen formellen Sitz, der seit der Kamakura- Zeit (Mittelalter ) in Japan u.a. auch bei der Meditationsform des zazen Verwendung findet.
Die richtige Art, sich im Seiza hinzusetzen, wird euch gezeigt.  
Die Schüler setzen sich nach Gurtgraden geordnet hintereinander hin, der Lehrer nimmt vor der Dojo- Fahne Platz.
Lehrer :„ mukso“ = leert euch, macht euch leer
Damit ist gemeint, im korrekten seiza- Sitz mit der richtigen Art der Atmung und geschlossenen Augen versuchen, abzuschalten. Man soll sich auf das kommende Training konzentrieren, alles ausserhalb des Dojos vergessen. Dabei soll die richtige Atmung unterstützend wirken. Auch dies wird euch gezeigt werden.
Lehrer :„ naure“ = aufhören, in normale Position setzen
Schüler/ Lehrer öffnen die Augen wieder.
Lehrer :„schomen ni lei“ = verbeugt euch geradeaus.
Lehrer und Schüler verbeugen sich in Richtung der Dojo- Fahne.
Lehrer dreht sich zu den Schülern um.
Höchster Schüler :„ sensei ni lei“= verbeugt euch in Richtung des Lehrers
Die Schüler verbeugen sich in Richtung des Sensei.
Schüler :„ onegai schi mas“ = bitte lehre mich
Der Lehrer verbeugt sich gleichzeitig, sagt nichts.

Abgrüßen :
Lehrer beendet die Trainingsstunde :„ owari“ = Ende
Schüler und Lehrer nehmen wieder in der gleichen Art wie zu Beginn des Trainings vor der Dojo- Fahne Platz.
Bei der letzten Verbeugung voreinander :
Schüler :„ domo arrigato gozaimas“ = ich bedanke mich ( sehr höfliche Form )
Lehrer : bedankt sich ebenfalls leise

Unterstützen ältere Schüler oder andere Lehrer den Sensei beim Unterricht, so verbeugt sich die Gruppe nach dem Trainingsende vor ihnen.
Der Lehrer wird sie auffordern mit den Worten otadai ni lei

Die sechs Regeln des Yuishinkan- Dojos Ochtrup

1. Verhalte dich immer richtig im Dojo
Damit ist gemeint, man soll höflich sein, ein angemessenes Benehmen zeigen.
Die älteren Schüler ( sempai ) sollen die jüngeren Schüler ( kohai ) nicht schickanieren oder arrogant behandeln. Das gleiche gilt für das Lehrer-
Schüler Verhältnis.
2. Gib dir Mühe, gib nie auf
Es ist nicht entscheidend, ob jemand die Techniken schnell erlernt oder sich ein wenig schwerer damit tut. Was zählt, ist allein das ernsthafte und dauerhafte Bemühen des einzelnen.
3. Übertreibe nicht, sei nicht unvernünftig
Man soll seinem körperlichen Zustand entsprechend angemessen trainieren. Wenn Verletzungen entstanden sind, kuriere sie lieber aus, als sie durch übertriebene Härte zu verschlimmern und chronisch werden zu lassen.
4. Sei niemals eingebildet
Arroganz und Selbstherrlichkeit sind schlimme Eigenschaften. Ein japanisches Sprichwort besagt: „Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden“
5. Komme regelmäßig zum Training
Regelmässig, pünktlich und sauber zum Training zu kommen soll selbstverständlich sein
6. Sei dir selbst treu in Geist und Herz
Aufrichtigkeit und Gradlinigkeit sind im Training wichtig. So zeigt man z.B. beim Yuishinkan-Kumite dem Gegner einen guten Treffer an und gibt sich geschlagen.
Nicht um eines vermeintlichen Vorteils willen soll man seine Meinung oder die Einstellung ändern.


Ochtrup, im Oktober 2000